Das Verbrennen von Üzerlik (Steppenraute), Weihrauch, Lorbeerblättern oder Salbei mit der Absicht, sich vor dem bösen Blick oder schädlichen Wesen zu schützen, und der Glaube, dass deren Duft solche Einflüsse vertreibt, berührt im Islam eine sensible theologische Frage. Solche Praktiken müssen in erster Linie im Hinblick auf Absicht (Niyya) und Glaubensüberzeugung bewertet werden.
Islamische Schutzmethoden und die Frage des Schirk
Im Islam erfolgt der Schutz vor schädlichen Einflüssen grundsätzlich durch das Bittgebet zu Allah, das Suchen von Zuflucht bei Ihm sowie durch das Rezitieren von Koranversen. Der Prophet (s.a.w.) empfahl insbesondere zum Schutz vor negativen Einflüssen wie dem bösen Blick oder Magie das Rezitieren bestimmter Suren und Bittgebete, darunter al-Falaq, an-Nas, Ayat al-Kursi und al-Ikhlas. Im Islam ist es grundlegend, sich für Schutz und Heilung ausschließlich an Allah zu wenden. Daher kann der Glaube, dass ein materieller Gegenstand für sich genommen eine eigenständige spirituelle Schutzkraft besitzt, aus islamischer Sicht die Gefahr des Schirk bergen.
Die Verwendung von Weihrauch und ähnlichen Substanzen
Substanzen wie Weihrauch wurden historisch in verschiedenen Kulturen verwendet. Einige Gelehrte haben die Ansicht geäußert, dass deren Duft schädliche Einflüsse vertreiben könne. Solche Auffassungen beruhen jedoch nicht auf den primären religiösen Quellen, sondern auf Erfahrungen. Wenn sich durch Erfahrung zeigt, dass etwas einen Nutzen hat, besteht aus religiöser Sicht grundsätzlich kein Einwand, es unterstützend zu verwenden – vorausgesetzt, es bleibt im Rahmen der durch Koran und Sunna festgelegten Schutzmethoden.
Was jedoch zur Gefahr des Schirk führen kann, ist die Zuschreibung eigenständiger spiritueller Kräfte an materielle Dinge oder Düfte und der Glaube, dass diese unabhängig Schutz vor schädlichen Einflüssen bieten. Ohne eine solche Überzeugung sollten Schutz und Bewahrung vor allem durch Gebet, Koranrezitation und das Suchen von Zuflucht bei Allah erfolgen.
Daher stellt es keinen Schirk dar, wenn beim Hören des Korans gleichzeitig Substanzen wie Weihrauch oder Üzerlik verwendet werden, solange ihnen keine eigenständige mystische Kraft zugeschrieben wird. Wird ihnen jedoch eine solche Schutzwirkung zugeschrieben, kann dies in den Bereich des Schirk fallen.
