Fragedetails:
Ich höre Sufi-Hymnen, in denen Ausdrücke wie „Madad yā Jīlānī“ oder „Madad yā Rifāʿī“ vorkommen, also das Erbitten von Hilfe von Gottesfreunden. Ist es zulässig, solche Lieder zu hören? Kann Istighāsa an den Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) oder an rechtschaffene Diener Allahs gerichtet werden? Führt Istimdād / Istighāsa aus der Religion heraus?
Falls es zulässig ist, was ist der richtige Weg? Sollte man Hilfe ausschließlich von Allah erbitten oder auch von Gottesfreunden?
Antwort:
Ghawth: Der Begriff bedeutet Hilfe leisten, zu Hilfe eilen, Beistand gewähren und spirituellen Schutz bieten. In der Sufi-Terminologie wird er für Personen verwendet, die die höchsten spirituellen Ränge erreicht haben.
Eine Person, die diesen Rang erlangt hat, wird mit einer besonderen göttlichen Zuwendung geehrt und kann – mit Allahs Erlaubnis – wie al-Khidr denjenigen helfen, die sich in Not befinden, und ihnen mit göttlicher Unterstützung beistehen. Jemand, der diese besondere Eigenschaft nicht besitzt, wird nicht als „Ghawth“ bezeichnet.
Ohne Allah im Bewusstsein zu haben und direkt die Hilfe eines Heiligen zu erbitten, kann in gewisser Weise als problematisch im Sinne des Schirk angesehen werden. Nach dem Glaubensverständnis der Ahl as-Sunna kann es jedoch sein, dass bestimmten Personen eine besondere Zuwendung oder Unterstützung für andere gewährt wird. Dennoch sind sie lediglich Mittel und Vermittler; der eigentliche Schöpfer und Wirkende ist allein Allah. So wird Allah einigen die Fürsprache gewähren und den Gesandten (Friede und Segen seien auf ihm) als Mittel einsetzen, während die eigentliche Handlung Allah selbst zukommt.
In diesem Verständnis ist es kein Schirk, wenn jemand mit diesem Bewusstsein sagt: „Madad yā Rasūlallāh“. Wird dies jedoch ohne das Bewusstsein von Allah ausgesprochen, kann es eine problematische Bedeutung annehmen, die an Schirk erinnert.
Daher ist es sehr wichtig, bei solchen Ausdrücken die richtige innere Haltung zu bewahren. Alles beginnt mit Allah. Wenn Hilfe von jemand anderem erbeten wird, dann sollte dies im Bewusstsein geschehen, dass diese Person nur aufgrund ihrer Stellung bei Allah ein Mittel ist. Andernfalls wäre es – Gott bewahre – ein Verhalten, das Schirk impliziert, da Nutzen und Schaden einem Geschöpf zugeschrieben würden.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Personen, die aufgrund ihrer spirituellen Stellung als Mittel der göttlichen Hilfe betrachtet werden und dabei Allah im Bewusstsein behalten, können als Vermittler verstanden werden. Jedoch ist es aus Glaubenssicht gefährlich, Hilfe von jemandem zu erbitten, ohne Allah im Bewusstsein zu haben, unabhängig von dessen Rang. Daher sollte man selbst in dieser Angelegenheit sensibel handeln und anderen gegenüber wohlwollend urteilen.
